Österreich als Vorreiter in der Zentralisierung von Bildungsstandards


Eine Schülerin muss für die Schule ihre erste wissenschaftliche Arbeit schreiben. Die Arbeit besteht neben Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis und eidesstattlicher Erklärung aus einem Abstract mit ca. 150 Wörtern, einer Einleitung mit ca 6000 Zeichen und einer kurzen Zusammenfassung. Selbstverständlich müssen auch wissenschaftliche Quellen korrekt zitiert und es muss darauf verwiesen werden. Die komplette Arbeit soll 15-20 Seiten umfassen.

Ganz schön viel Arbeit, denkt sie und erinnert sich an ihre Schwester, die vor zwei Jahren missmutig an ihrer vorwissenschaftlichen Arbeit schrieb. Und da kommt ihr die Idee: Sie könnte doch einfach das gleiche Thema wählen und die Arbeit ihrer Schwester abgeben. Schließlich lägen zwei Jahre zwischen den beiden Arbeiten und es sind andere Lehrer. Warum also nicht?

Jedes Jahr schreiben Schüler und Schülerinnen in österreichischen gymnasialen Oberstufen eine sogenannte vorwissenschaftliche Arbeit (VwA). In Deutschland ist diese mit den sogenannten Facharbeiten zu vergleichen. Auch in vielen anderen Ländern der Welt werden solche Arbeiten zum Ende der Sekundären Oberstufe genutzt, um auf das wissenschaftliche Arbeiten an Universitäten vorzubereiten.

Die Versuchung zu Plagiieren

Die Auflagen von wissenschaftlichen Arbeiten sind erheblich. Die strengen Richtlinien und der hohe Aufwand bringt manche Schüler zur Verzweiflung. Die Versuchung inmitten der stressigen Lage, einfachere Wege zu finden, ist hoch. Am einfachsten: Plagiieren. Egal, ob es sich um das Abgeben zuvor geschriebener Arbeiten handelt oder dem klassischen Kopieren von Quellen, Studenten wissen wie schwer es ist, Plagiate manuel zu entlarven, und gehen manchmal das Risiko ein mit gestohlenem geistigen Eigentum davonzukommen.

 

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Wie das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) wissenschaftliches Arbeiten fördert und schützt

Seit 2015 nutzt das BmB PlagScan als Plagiatsoftware, welche in die kooperierende Verwaltungsoberfläche von EduGroup eingebunden ist. Somit werden alle hochgeladenen Arbeiten umgehend auf Plagiate geprüft. Hierbei werden Internetquellen, als auch interne Archive durch gescannt. Die VwA Datenbank beinhaltet alle hochgeladenen Arbeiten vorangegangener Jahre, welche das Kopieren älterer hochgeladener Arbeiten ebenfalls identifizieren würde.

Die abschließenden Plagiatberichte zeigen die Ergebnisse der Plagiatserkennung. Lehrkräfte können sich auf die inhaltliche Validierung der Arbeiten konzentrieren, was einen entspannteren Bewertungsprozess garantiert.

Am Wichtigsten ist jedoch, dass durch Aufklärung der Lernenden ein Plagiieren von vornherein vermieden wird. Ein sanfter pädagogischer Druck regt die Schüler und Schülerinnen zum wissenschaftlichen Vorgehen beim Anfertigen ihrer Arbeiten an.

“Seit die SchülerInnen darüber informiert wurden, dass ihre VwAs auf Plagiate überprüft werden, ist das Bewusstsein für korrektes Zitieren deutlich gestiegen”, sagte Anna Lasselsberger vom BMBWF.

 

Was eine Standardisierung für die Bildung bedeutet

In den meisten Teilen der Welt werden Bildungsregulierungen in kleinen, lokalen Lösungen definiert und zusammengefasst. Die stark variierenden Maßstäbe sorgen hierbei für Ungleichheit und manchmal sogar zu unfairen Bewertungsprozessen für Schüler und Schülerinnen. Was in manchen Bildungseinrichtungen wichtig erscheint, ist einige Städte weiter evtl. belanglos.

Ein Bildungsstandard für Alle bedeutet nicht nur eine endgültige und faire Richtlinie zu schaffen, sondern auch alle Lernenden anhand des gleichen Bewertungsmaßstabes zu bewerten. Manuelle Plagiatserkennung läuft beispielsweise meistens darauf hinaus, dass Lehrer nur “die üblichen Verdächtigen” überprüfen, während die geschickteren Schummler mit schlechteren akademischen Leistungen davonkommen. Eine automatische Plagiatserkennung zur Standardsicherung einzusetzen garantiert, dass alle Lernenden auf die gleiche Weise überprüft und gegebenenfalls über Fehler belehrt werden.

Österreich erweitert die Standardisierung

Mehr als 300 österreichische Gymnasien nehmen an dem standardisierten Bewertungsprozess der VwAs teil. Das BMBWF kündigte in 2017 an, dass auch berufsbildende Schulen nach den gleichen Prozessen operieren sollen. Die zentrale Organisation der Bildung in Österreich hat bereits positive Ergebnisse geschaffen: Landesweite Maßstäbe vereinfachen die Anweisungen verschiedener akademischer Arbeiten, Lehrer halten sich an gleichwertige Vorgehensweisen beim Bewertungsprozess und Lernende erzielen einen allgemeingültigen Bildungsgrad durch die Einhaltung von definierten Richtwerten.

Wenn Sie mehr darüber lesen möchten, finden Sie hier einen anderen Artikel zu dem Thema.


Über Cati Mayer

Cati ist PlagScans Kommunikationsmanagerin und setzt sich nebenbei für Menschenrechte, insbesondere Bildung ein. Sie ist in Deutschland aufgewachsen hat aber ihr Studium in Kommunikations- und Medienwissenschaft, Journalismus und Public Relations in den USA abgeschlossen. In Kalifornien hat sie für mehrere Startup Unternehmen gearbeitet.

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